Die Einschreibung als Palliativpatient

und Beginn der Koordination aller Versorgungsmaßnahmen

4.1. Definition Palliativpatient

Welche Personen als Palliativpatienten eingeschrieben werden können, ist im Vertrag „über die ambulante palliativmedizinische Versorgung von unheilbar Erkrankten im häuslichen Umfeld“ eindeutig definiert.

Es handelt sich hierbei um Patienten, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, die so weit fortgeschritten ist, dass lediglich eine Lebenserwartung von wenigen Tagen, Wochen oder Monaten zu erwarten ist:

  • bei denen kurative Behandlungen ausgeschöpft und im Sinne des Patienten nicht mehr angezeigt sind,
  • bei denen eine ambulante Palliativ-Versorgung im häuslichen Umfeld möglich und gewünscht ist und
  • bei denen eine Krankenhausbehandlung im Sinne des §39 SGB V nicht erforderlich ist“ (§2, Vereinbarung der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung von unheilbar erkrankten Patienten im häuslichen Umfeld).

4.2. Einschreibung durch den Hausarzt

Die Einschreibung erfolgt durch den Hausarzt des Patienten. Dieser muss im Vorfeld anhand einer schriftlichen Erklärung seine Teilnahme an „der ambulanten palliativmedizinischen Versorgung von unheilbar erkrankten Patienten im häuslichen Umfeld“ bestätigen. Ohne eine solche Teilnahmeerklärung ist der Hausarzt weder berechtigt einzuschreiben noch entsprechend abzurechnen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass laut Vereinbarung mit den Krankenkassen diese Leistungen außerhalb ihrer budgetierten Gesamtvergütung bezahlt werden. Für die beratenden Palliativnetzkoordinatoren ist dies häufig das beste Argument um Hausärzte zur Kooperation zu überzeugen.

Ist der Hausarzt dennoch nicht bereit, an der ambulanten palliativen Versorgung teilzunehmen und seinen Patienten einzuschreiben, hat der Erkrankte, wenn er eine solche Versorgung wünscht, die Möglichkeit, das Palliativnetz zu kontaktieren; die Koordinatoren werden dann den lokal zuständigen Palliativmediziner im Sinne des Patienten um eine Einschreibung bitten. Dieser Weg ist für alle Beteiligten sicher der unangenehmste, da er von vornherein für Disharmonien sorgt. Der ohnehin kritische Hausarzt wird durch diese Vorgehensweise der Arbeit des Palliativnetzes nicht gerade freundlicher gesonnen sein. Aber im Interesse des Patienten ist eine solche Vorgehensweise ohne Rücksicht auf die Eitelkeiten des Hausarztes unbedingt wünschenswert.

Eine Einschreibung direkt durch das Krankenhaus oder die Reha-Klinik ist nicht möglich.

4.3. Einverständnis des Patienten

Die Initiative zur Einschreibung geht natürlich vom Patienten selbst aus. Ohne dessen Einwilligung ist selbstverständlich durch niemanden eine Einschreibung möglich. Für einige Patienten ist die Entscheidung für eine Einschreibung ausgeschlossen, weil sie ihre Erkrankung und deren Prognose für sich noch nicht angenommen haben, was entweder durch unzureichende Aufklärung oder durch Verdrängung verursacht sein kann. Palliativmedizin wird als Sterbemedizin verstanden. Der durchweg lebensbejahende Ansatz wird nicht gesehen. Eine kompetente, empathische Beratung durch die Netzwerkkoordinatoren ist hier angesagt. Eine solche Beratung kann allerdings nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn der behandelnde Krankenhausarzt und / oder Hausarzt im Vorfeld seiner umfassenden Aufklärungspflicht nachgekommen ist. Ein über seine Krankheit und dessen Verlauf nicht aufgeklärter Patient kann und wird einer ambulanten palliativmedizinischen Versorgung nicht zustimmen.

4.4. Weiterleitung der Stammdaten an den Palliativmedizinschen Konsliliardienst (PKD)

Gehen wir vom Idealfall aus. Der umfassend aufgeklärte Patient ist vom kooperierenden Hausarzt eingeschrieben. Folglich erfasst dieser, auf einem Stammdatenblatt den Status als Palliativpatienten begründende Diagnose, ggfs. das Stadium bzw. die Metastasierung, weiterhin kurze Angaben zum aktuellen Krankheitsbild, ggfs. den letzten Entlassungsbrief, einen aktuellen Medikamentenplan. Er gibt an wo der Patient sich derzeit befindet (zu Hause, im Krankenhaus, Pflegeheim oder im Hospiz). Weiterhin folgen Angaben zur Schmerztherapie, Symptomkontrolle, Wundversorgung, Infektionserkrankungen und Suchterkrankungen. Selbstverständlich erfasst werden die Stammdaten inklusive Telefonnummer des Patienten. Letztendlich wird eine Empfehlung für eine Fachberatung durch die Netzkoordinatorinnen und die Dringlichkeit dieser erfasst (aus Anlage 3a der Vereinbarung über die ambulante palliativmedizinische Versorgung von unheilbar erkrankten Patienten im häuslichen Umfeld).

Dieses Stammdaten werden dann dem zuständigen Palliativmediziner und damit dem PKD, Palliativmedizinischer Konsiliardienst, zugeführt. Weiterlesen...

Direkt-Links:
www.gesetze-im-internet.de/§37b SGB V
www.gesetze-im-internet.de/§39a SGB V
www.gesetze-im-internet.de/§132d SGB V